social agile engineering – oder einfach mal Danke sagen…

Und hier auch zum Lesen…

Neulich bei der Firma Harting in Espelkamp. Wir waren zu Gast bei einer Veranstaltung „Selbstorganisation – spinnen die oder hilft das wirklich?“ und durften ein paar Denkanstöße verteilen. Mein Kollege Fabian und ich. Am Nachmittag gab es eine Vertiefung in Form eines Open Space Formats. Die 30 Teilnehmer konnten also Themen vorschlagen und dann in Gruppen über das sprechen, was sie am meisten umtreibt. Es gab die Klassiker:

  • wie treffen Teams ohne Chef Entscheidungen?
  • wie setzt man die Rahmenbedingungen so, dass Vorgesetzte und Teams wissen, was sie dürfen und sollen?
  • wie verändert sich die Rolle von Vorgesetzten?

Mehr zwischen Tür und Angel entwickelte sich mit zwei Teilnehmern eine andere Fragestellung: „Wir haben besondere Schwierigkeiten dort, wo weder räumliche noch zeitliche Nähe der Arbeiten möglich sind. Also z. B. zwischen Konstruktion und Montage. Die Konstruktion hat ihren Job längst getan, wenn die Montage loslegt. Wenn die Montage etwas zu beanstanden hat, dann liegt die Arbeit in der Konstruktion Monate zurück. Räumliche Nähe lässt sich beim besten Willen nicht organisieren. Was können wir denn tun, damit die zwei Abteilungen besser zusammenarbeiten?“

Es wurde über it-gestützte Zuordnung von Fehlerursachen diskutiert. Aber es wurde auch darüber gesprochen, dass die Informations-Werkzeuge zwar Probleme sichtbar machen – aber auch dafür sorgen, dass die Schilde hochgehen.

Nur mal angenommen, dass „soziale Verbundenheit“ eine Wirkung hätte, was könnte man dann tun?

In Anlehnung an Jurgen Appelo könnte man es als „Kudo-Box mit Sahne“ oder augenzwinkernd als „social agile engineering“ bezeichnen: Hingehen und Danke sagen. Und zwar so richtig. Mit Kuchen. Oder mit Pizza. Am Samstag, wenn die Damen und Herren aus der anderen Abteilung mal wieder Überstunden leisten müssen. So, dass es alle sehen. Das wäre ein positiver Musterwechsel, der die zukünftige Zusammenarbeit potenziell zum Positiven verändert.

Das Erstaunliche: die besagten Teilnehmer schauten mich an und sagten: „Das ist ja ne gute Idee… Das werde ich mal ausprobieren. Darüber hatte ich noch gar nie nachgedacht… Danke für den Denkanstoß!“ Ganz ohne Bitterkeit oder Ironie. Diese Antwort hat mich nun wieder erstaunt – bzw. zum Nachdenken gebracht: Techniker und Betriebswirte sehen vieles – aber sie übersehen gelegentlich, dass eine Organisation auch sozialen Klebstoff braucht. Und obwohl wir das aus Vereinen, Familien und andere Zusammenhängen alle können, scheinen wir es in den Firmen auszublenden.

Ich will also mit dem kleinen Beitrag lediglich darauf hinweisen, dass die meisten Firmen „einfache Rituale der Verbundenheit“ im Alltag – warum auch immer – ignorieren. Vielleicht werden sie als überflüssig oder als albern abgetan. In vielen traditionellen Organisationen scheint darüber hinaus ein klein wenig Scham im Spiel zu sein, wenn es darum geht, anderen eine Freude zu machen, sich öffentlich zu bedanken – oder sich gar zu entschuldigen. Es scheint – nicht nur für Vorgesetzte – eine Hürde zu sein, den Schutzpanzer aus Sachlichkeit und Überlegenheit für einen Moment zur Seite zu legen und „verbindende Nähe“ zuzulassen.

Das Experiment:

Dort wo die Abteilungsgrenzen besonders hoch sind und wo Zusammenarbeit immer wieder über Vorwurfshaltung und Schuldzuweisung stolpert – gerade dort hilft es nach etwas Konkretem zu suchen, was gut war. Dann besorgt jemand etwas Leckeres. Dann geht man gemeinsam in die andere Abteilung (Überraschung!) und bedankt sich. Für das, was gut gelaufen ist. Natürlich ist es selbstverständlich, dass die Kollegen arbeiten. Aber andererseits lohnt es sich, das Gute zu sehen und es zu sagen – und damit zu verstärken. Das wesentliche: Einfach Danke sagen. Sonst nichts. Gemotzt wird sowieso wieder früh genug… „Wir wollten uns mal bedanken für Eure gute Arbeit. Ihr haut jeden Tag rein. Auch wenn wir ständig motzen… Wir wissen, dass Ihr einen guten Job macht. Und im Fall XYZ waren wir Euch dankbar – denn das war nicht selbstverständlich. Und jetzt gibt’s Kuchen! Wir wollten Euch einfach mal ne kleine Freude machen… haut rein.“

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Es ist leider so, dass ich auch ein großer Könner darin bin, den Beitrag der anderen zu übersehen. Daher heute ein echter Musterbruch für mich 😉

@Volker (also der Dr. Volker Franke von Harting)
Danke, dass Ihr uns immer wieder einladet, mit Euch gemeinsam Veranstaltungen zu machen. Danke für die Zeit, für die Räume, für die Vorbereitung und besonders dafür, dass es sich saugut anfühlt.

@Gerald (also der Gerald Pörschmann von der Zukunftsallianz Maschinenbau)
Danke, dass Du das immer wieder anschiebst.

@Fabian (also der Fabian Schünke von V&S)
es ist einfach eine Wonne!

Update: Nicole hat mich gerügt: „Mann, Benno, der Herr Vogel reißt sich auch immer wieder den Arsch für uns auf!“ Ich sag ja… Meine Stärken sind in dem Fall eher theoretischer Natur…

@Thomas (also Thomas Vogel vom Institut für Einzelfertiger)
Du ahnst gar nicht, wie sehr wir alle Deine Arbeit schätzen. Wirksam. Zuverlässig. Danke Dir.

 

Eine Antwort auf „social agile engineering – oder einfach mal Danke sagen…“

  1. Ich finde Deinen Input sehr gelungen, lieber Benno.
    Das Thema “ nichts geschwätzt ist gelobt genug“ ist halt nicht nur bei Führungskräften fester Bestandteil in ihrem täglichen Handeln, sondern auch zwischen Abteilungen. Kleine Denkanstöße versetzen oft Berge … man muss es halt TUN. Und Vorgesetzte müssen mal öfters die Jungs und Mädels „erwischen wenn etwas gut gelaufen ist“….jeder Tropfen höhlt den Stein
    Beste Grüße aus Westerngrund

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