Wie aus Ideen Innovation und Geld wird. Die 7 heiligen Schritte.

Ein Bikablo zum Thema "Wie aus Ideen Innovation und Geld wird. Die 7 heiligen Schritte."

Kleiner Scherz.
Aber es ist trotzdem denkbar, dass der Text hilft…

Wenn Innovation in ihrer Firma einfach nicht mehr klappt, dann stehen ihnen vermutlich mindestens eine von drei zentralen Hürden im Weg:

Hürde 1: Sie haben keine Innovations-Könner. Es gibt also niemanden, der brauchbare Ideen hat und andere anstecken kann. Das ist unwahrscheinlich, denn Ideen-Überschuss gibt es fast in jeder Firma. Die Frage ist also: Warum werden die Könner unsichtbar oder wirkungslos?

Hürde 2: Sie haben keine Innovations-Entscheider. Also formal schon. Aber faktisch entscheidet niemand, dass Ressourcen fokussiert und vielleicht vergeudet werden sollen. Denn: Echte Innovation ist ein riskantes Geschäft. Jeder fühlt, dass vieles erprobt werden muss. Und zwar ohne Gewissheit was wie wann funktioniert. Es geht also um riskante Entscheidungen.

Hürde 3: Sie leiden als Firma unter Unsicherheits-Kontroll-Illusion. Sie versuchen also, die unumgehbare Ungewissheit zu umgehen. Das führt dazu, dass Innovation schon in einem sehr frühen Stadium geplant, abgesichert und gemanaged wird. Man könnte sagen: Sie wird kaputt-verwaltet. Kein Mensch möchte das Risiko eingehen, etwas Unversprechbares zu versprechen. Oder anders ausgedrückt: Auch für die Innovation gilt: „No risk – no fun“. Das beschreibt die Situation von Organisationen, die auf Innovation angewiesen sind, ganz zutreffend.

Was kann man also denken oder gar tun?

1.) Verändern Sie den Kontext, das Milieu. Kontroll-Illusion loslassen. Das sind die Management-Praktiken und Selbstverständlichkeiten, die jeden Tag da sind. Und wirksam. Wir meinen nicht die Kultur… Also die „Summe der unentschiedenen Selbstverständlichkeiten“. Wir meinen die „entschiedenen Gepflogenheiten“. Also das, was man sofort entscheiden und verändern kann. Ein sehr plakatives Beispiel:

So denken wir hier Innovations-Klima…

Warum? Weil Du es kannst… Alle, die eine Idee haben und etwas innovatives auf die Beine stellen wollen um uns als Firma am Markt wirksamer zu machen, bekommen 50.000 EUR. Ohne Auflagen. Ohne Plan. Ohne Kontrolle. Spätestens, wenn die 50.000 EUR alles, dann holt Ihr Euch ein Gremium zusammen, um den Stand zu reflektieren. Das Gremium kann ein Veto einlegen. Und der Eigentümer kann ein Veto einlegen. Ansonsten geht es mit 100.000 EUR weiter. An dem Punkt können sich die Innovatoren privat beteiligen. Ab dann sprecht Ihr alle 3 Monate mit dem Eigentümer über einen eigenen Produkt-Bereich und über die nächsten Schritte. Du hast ein Zeitproblem? Das hat jeder… Löse es.

Kaufillusion zuerst. Jedes Innovations-Team hat die Pflicht, mit der Kundenperspektive zu starten. Versuche zuerst zu verstehen, ob der Kunde Deine Innovation kaufen wird – mit einer Kaufillusion. Mit möglichst wenig Aufwand und Risiko. Vielleicht braucht es dazu einen Prospekt. Oder eine Website. Oder eine 3D-Simulation. Oder eine Serviette und Verkaufstalent. Jedenfalls: Wenig entwickeln. Viel verkaufen. Viel und schnell durch Kommunikation mit Partnern, Kunden, Lieferanten und Experten Lernen.

Lerne beim Machen. Erprobe Dinge und beobachte. Bilde Hypothesen. Suche nach unbewussten Hypothesen. Sei selbstkritisch – und tu nicht so, als ob Du alles wüstest. Sonst lernst Du nichts… Deine Idee mag spitze sein. Aber Du wirst Dich in Details sehr oft irren. Schreib Deine Annahmen auf und teste sie – so schnell und preiswert es geht. Vergeude keine Zeit mit dem blinden Glauben an ungeprüfte, kritische Hypothesen. Sonst könnte es passieren, dass Du am Ende desaströs scheiterst. Besser ist es, Du scheiterst oft, klein und preiswert und am Anfang.

Würdevoll scheitern. Leute, die sich in neue Gefilde wagen, ohne zu wissen, welche Gefahren dort lauern, brauchen wir. Dabei kann man furchtbar auf die Schnauze fallen. Das nervt ohne Ende. Es ist zum Schreien. Trotz Engagement kein Erfolg. Das braucht starke Nerven. Wenn es passiert, dann hilft es sehr, wenn jemand kommt und einem auf die Schulter klopft. Oder beim Aufstehen hilft. Oder ein Bier ausgibt und mal zwei Stunden zuhört. Würdevoll scheitern ist die Basis für innovatives Verhalten. Wer bei uns Karriere machen will, der sollte zeigen, dass er etwas kann. Klar. Aber auch, dass die Lust, trotz Ungewissheit lernend zu handeln überwiegt – und die verständliche Angst vorm Scheitern besiegt.

Wissen hilft. Es hilft, sich z. B. mit Design-Thinking und Lean Startup zu beschäftigen. Training oder Lesen. Denn es gibt Leute, die haben entdeckt, dass gewisse Kommunikations-Muster und Verhaltensweisen immer wieder in schnell lernenden Teams zu beobachten sind. Niemand wird Dich zwingen oder drängen. Trotzdem: Alle 4 Monate machen wir einen Impuls- und Schnupper-Tag zu den Themen rund um Innovations-Arbeit. Schaut vorbei. Wenn Ihr merkt, dass es Zeitverschwendung ist: Geht einfach wieder. Bei Interesse: Bei Herren Schlaumeier melden.

Stellen Sie sich mal vor, was es bewirken würde, wenn Sie sowas im Management-Team beschließen würden und über 3 Jahre immer und immer wieder praktizieren. Bei der Mitarbeiter-Versammlung hinge es ausgedruckt und von den Eigentümern unterschieben an den Wänden. Es gäbe sichtbare Beispiele. Und die Eigentümer würden erklären, warum sie das tun…

Vermutlich müssten dann in Gesprächen mit dem GF oder dem Eigentümer solche Sätze fallen: „Selbstverständlich müssen wir Innovation suchen – also wir werden nicht sofort finden. Also machen Sie sich keine Sorgen: Scheitern ist ok. Wir in der GF haben auch schon viel erprobt. Und längst nicht alles hat funktioniert. Sie sind also in bester Gesellschaft. Wir brauchen beides: Leute, die absolut routiniert wie Uhrwerke funktionieren und solche, die neue Wege gehen, stürzen, sich wieder aufrappeln und schließlich ganz neue Gegenden entdecken. Uns ist klar, dass Budgets, Pläne und Vorgaben dort eher hinderlich sind… Trotzdem haben auch wir das Bedürfnis, zu verstehen, was vor sich geht – denn auch wir werden gefragt und wollen informiert sein. Also halten sie uns auf dem Laufenden – aber so, dass es für Sie passt.“

2.) Die Veränderung des Kontextes wird nach und nach die richtigen Leute anziehen. Diejenigen die Innovation wollen und können. Menschen mit Ideen und Tatendrang. Diese Innovations-Treiber ziehen andere Leute an. Und so entstehen Teams aus Willigen und Fähigen, Engagierten. Das wirkt sich auf die Ideen aus. Gemeinsam beim Handeln entstehen neue, bessere Ideen. Ganz ohne dass die Macht von Managern genutzt werden müssten oder Fremdbestimmte Pläne und Prozesse. Aber: Die Macht wird gebraucht, um einen stabilen Schutzraum zu stiften. Also die garantierten Grenzen der Handlungsfreiheit und würdevolles Scheitern.

3.) Macht wird gebraucht, um Ressourcen zu bündeln. Um Schutzräume zu stiften. Und um grundsätzliche Richtungsentscheidungen zu treffen. Es liegt auf der Hand, dass Innovation dann am besten gedeiht, wenn sie in den „strategischen Rahmen passt“ und den Werten der Eigentümer nicht widerspricht. Dafür darf dieser strategische Rahmen nicht zu eng sein – im Sinne eines langfristigen Maßnahmenplanes. Die Aufgabe der Mächtigen ist es, unternehmerisches Gespür für die Richtung zur Verfügung zu stellen, Ressourcen zu bündeln und Verzettelung zu verhindern.

4.) Innovations-Teams – also echte Teams, gestiftet von einem Könner mit Ideen – können dann selbst entscheiden, welche Werkzeuge sie erproben und nutzen. Es lohnt sich, diese „vorzuführen“ – aber die Entscheidung liegt im Team. Lean Startup, Design Thinking, Systems-Engineering. Oder eine Excel-Liste. Das Team darf erproben und verwerfen.

5.) Alle drei Monate sollte das Management das Innovations-Team um 1h Aufmerksamkeit bitten und die aktuellen Entwicklungen zum Thema Strategie, Jahresziele, aktuelle Notwendigkeiten zeigen. Einfach, damit das Team eine Chance hat, solche Einflüsse zu verarbeiten und zu reagieren. Sonst kommen früher oder später „die Eingriffe der Macht und der Kollaps der Team-Verantwortung“.

6.) Die Beseitigung innovationsfeindlicher Kommunikation und Management-Praktiken ist essentiell: „Bei allem was wir tun, sollten wir uns an den Grundsatz ‚first time right‘ halten. Auch bei Innovation stehen Effizienz und Planeinhaltung in unserem Unternehmen an oberster Stelle. Entscheidend sind Prozess-Disziplin und Transparenz. Fehler vermeiden wir durch Denken. Das verstehen wir unter Professionalität.“ Wenn solche Sätze fallen, dann sollte man sehr, sehr nachdenklich werden. Vermutlich gibt es dann „passende“ Management-Praktiken, die Innovation geradezu verhindern.

7.) Das ist ein Platzhalter. Etwas wichtiges findet sich immer. Firmenspezifisch. Zum Beispiel: Wir sind darauf vorbereitet, dass die Hälfte unserer Innovationsversuche nicht klappen. Das ist keine Schande. 9 von 10 Startups scheitern. Wir sind deutlich besser!

Das ist kein Rezept und keine Garantie. Trotzdem: Vieles davon hat sich so oder so ähnlich immer wieder im Zusammenhang mit echter Innovation gezeigt. Kausalität? Zufall? Beides nicht. Eher umgekehrt: Mit Kontroll-Wahn geht Innovation kaputt. Die destruktive Richtung funktioniert. Es gilt also insbesondere das Schädliche zu unterlassen. Das hilft schon ungemein. Und dann findet sich einen Weg passender, Kultur-verträglich Weg, um Freiheitsgrade zu öffnen, Energie zu erzeugen, strategische Richtung zu geben, Ressourcen zu bündeln um innovativ mit Ungewissheit umzugehen.